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Der Hohentwiel und seine Burgruine
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Trutzig und selbstbewusst erhebt sich der Hohentwiel mit seinen 686 Metern über die fruchtbare Landschaft des Hegau, mit seinen sanft geschwungenen Hügeln am Bodensee.
Einst war er ein Vulkan, türmte sein Magma majestätisch auf und bedeckte seinen Fuß mit Tuff, dem pyroklastischen Gestein aus vulkanischer Asche. Doch als ihm die Kräfte schwanden und ihm das flüssige aufsteigende Magma noch innerhalb der Erdkruste erstarrte, formte er sich allmählich zur charakteristischen Quellkuppe, die er sich in den Kalkzeiten des Quartärs von den Gletschern freilegen ließ. Schroff und uneinnehmbar ragte von da an seine Felsenkrone aus grünlich grauem Klingstein gen Himmel und wehrte gelassen alle Angriffe feindlicher Heerscharen ab.
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Denn die saftigen Wiesen und die ertragreichen Äcker des Vulkangesteins waren stets eine begehrte Beute fremder Herren, die es zu verteidigen galt. So gewährte er seinen Landsleuten schon im Mittelalter eine Burg auf seinem Haupt zu errichten, die dann die Württemberger schließlich im 16. Jahrhundert zur Staatsfestung ausbauten.
Fürstlich thronte dieses Bollwerk über der malerischen Landschaft und schien die Hybris Napoleons genüsslich herauszufordern. In einem Anflug von grenzenloser Habgier befahl er daher seinem Heer sie 1801 zu „schleifen“. Ihre Verteidiger wurden erstochen, ihre Räume zerstört, ihre Mauern niedergerissen. Doch ihrer Würde konnte er nichts anhaben, denn die hatte sie sich bewahrt.
Und so präsentiert sie sich stolz als herrschaftliche Ruine alljährlich tausenden und aber tausenden Besuchern. Denn die sagenumwobene, charakterstarke alte Dame braucht sich auch nicht mehr kulissenhaft herauszuputzen. Der Ausblick von ihr ist so unglaublich paradiesisch, ist so himmlisch und atemberaubend, dass man auch die größte Mühsal sie zu erreichen, in dem Augenblick vergisst, in dem sie einem den Hegau zu Füßen legt.
Stünde sie nicht schon auf einem phonolithischem Gestein, bei dessen Anschlag man helle sphärische Klänge vernimmt, man müsste jedes Jahr bis zum Juli warten, wo sie von der musikalischen Muse geküsst, ein einwöchiges Festival zu beherbergen bereit ist. Die weltlichen Herrscher mochten vielleicht ihr Äußeres zerkratzen, ihre Symbolkraft als Trutzburg und als Olymp der hohen Künste macht sie jedoch zum Anziehungspunkt, zu dem man pilgert, den man genießt und in den man sich dann unsterblich verliebt.
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